Vergehen und Entstehen

Anaxagoras versuchte die Existenz der vielen Dinge in Einklang mit der parmenideischen Ontologie zu bringen. Er hält sich also an den Grundsatz, dass aus dem Nicht-Seienden nichts entstehen kann. Dabei stellt für ihn dieser Satz keine Ablehnung an Entstehen und Vergehen dar, wobei er Vergehen und Werden aber gleichermaßen ausschloss. Vielmehr sieht Anaxagoras, inspiriert von dem zweiten Teil des parmenideischen Lehrgedichts, im Vergehen und Entstehung lediglich einen Veränderung, ein Anderswerden. So sagt er denn: „Die Griechen haben keine richtigen Meinung vom Entstehen und Vergehen. Denn keine Sache entsteht oder vergeht, im Gegenteil: es tritt aus Seienden etwas in Mischung zusammen und trennt sich wieder.“(B 17) Das Entscheidende seiner Lehre ist, dass alles einer bestimmten Mischung zugrunde liegt. Und somit in dieser Mischung alle existierenden Teile enthalten sind. „In jedem ist ein Anteil von jedem.“(B11) Diese Teile sind bis in die Unendlichkeit teilbar. „Denn es gibt nichts, das vom Kleinen her das Kleinste wäre, sondern es gibt immer wieder etwas, das noch weniger ist.“(B3) „Anaxagoras stellt mit seinem Gedanken der unendlichen Teilbarkeit aller Dinge neben Anaximander eine Ausnahme im griechischen Denken dar, insofern er sich dem Gedanken des Unendlichen gestellt hat.“ Ein großer Unterschied zur parmenideischen Lehre ist, seine Annahme von mannigfaltigen Elementen

Durch die Annahme des Anaxagoras von dem Entstehen oder dem Verändern aus einer Grundmischung benötigt er eine Rechtfertigung für die einsetzende Trennung. Er bezeichnet diesen Grund mit dem Ausdruck „nous“; er meint damit Geist, ….. Dieser Geist ist im Gegensatz zu allen anderen Dingen in reinster Weise existent. „Der Geist ist etwas, das unendlich und sichselbstbestimmend ist, und er ist mit nichts in Mischung verbunden.“(B12)

Mit der Annahme des „Nous“ kommt „ auch der Gesichtspunkt eines Zwecks der Welt ins Spiel.“ Obwohl diesem Geist göttliche Attribute beigefügt sind, ist er nicht als ein Gott aufzufassen Der Geist ist für die Bewegung der Himmelskörper verantwortlich, wie er auch die Entstehung des Kosmos verursacht hat, in dem er eine Rotationsbewegung auslöste. Dadurch trennte sich das Dünne vom Dichten, das Kalte vom Warmen, das Dunkle vom Hellen und das Feuchte vom Trocknen.