Aristoteles Kritik

Auf der Suche nach den Anfangsgründen bezieht sich Aristoteles auf die Angabe der vier Grundelemente von Empedokles. Zwar bevorzugt er diese Annahme, vor der des Anaxagoras, doch tendiert er dazu die Grundbestand-teile auf drei zu reduzieren. Seine Überlegung ist, dass ein Gegensatzpaar noch ein drittes Element benötigt. „Weder bringt die Liebe den Streit zusammen und macht etwas aus ihm, noch der Streit aus ihr, sondern beide zusammen bewirken ein Drittes, von ihnen Verschiedenes.“(189a) Aristoteles erkennt auch in den vier Grundelementen zwei Gegensatzpaare, „denn Feuer, Erde, Luft und Wasser sind bereits mit Gegensätzlichkeiten verflochten.“(189a) Nimmt man aber Empedokles Grundelemente an, so ergeben sich durch die Annahme eines dritten Elementes bei zwei Gegen-satzpaaren insgesamt sechs Grundelemente. Wenn aber aus einem Gegensatzpaar das Werden alleine möglich ist, „dann wäre eines dieser Gegen-satzpaare überflüssig“(189b)

Warum nimmt Aristoteles hier an, dass ein Gegensatzpaar ein Drittes bewirken muss? Er hat in Kapitel 3 doch schon die plötzliche Eigenschaftsänderung angeführt, „ als ob es nicht in zahlreichen Fällen den plötzlichen Umschlag gäbe!“(186a) Nach dieser Definition könnte durchaus plötzlich aus der Liebe Streit entstehen oder aus jedem Ding sein gegensätzliches.

Und weiter, hat Empedokles seine vier Grundelemente als Gegensatzpaare aufgefasst? Für ihn entstehen die Dinge aus dem Mischungsverhältnis der vier Grundelemente: „er sagt, dass die Klassen aller Lebewesen sich voneinander unterscheiden durch ihre jeweilige Mischung: Einen Hang zum Wasser hätten die Feuchteren, während andere in die Luft flögen, insofern sie ein Übermaß an Feurigem hätten; die Schwereren hätten einen Drang zur Erde. Diejenigen, welche eine gleichteilige Mischung hätten, seien mit allen Orten im Einklang.“(DK 31 A 72) Ein Gegensatzpaar heißt aber immer z.B. vier Teile Wasser zu vier Teile Erde. Vier Teile Wasser zu einem Teil Erde ist aber kein Gegensatzpaar mehr es steht nur lediglich aus gegensätzlichen. Von daher kann man sagen: Empedokles Grundelemente bestehen aus gegensätzlichem, aber nicht die Gegensatzpaare bestimmen das Wesen einer Sache, sondern das Mischungsverhältnis der Grundelemente zueinander.