Vom Wesen des Seienden

Dreigeteilt stellt sich das Lehrgedicht dar. Nach einer Einleitung in der Parmenides in den Himmel versetzt wird, offenbart ihm eine Göttin „welche Wege des Suchens allein zu denken sind.“ (DK 28 B 2; Fragment 2) Die entscheidende Aussage besteht darin, dass das Seiende ist und das Nicht-Seiende nicht ist; damit „beginnt die Geschichte der Ontologie.“ Hierbei ist zu beachten, Nicht-Seiend bedeutet für Parmenides den leeren Raum, das Vakuum. Und aus dieser Leugnung des Vakuums zieht er den Schluss für die Unmöglichkeit der Bewegung und für das Unentstandensein des Seins. Denn eine Bewegung kann immer nur zu einem Ort erfolgen, wo vorher nichts war. „Hinter der These, dass Werden unmöglich ist, könnte die Überlegung gestanden haben, dass die Bedeutung von Werden nur mit Hilfe von Nicht-Sein expliziert werden kann.“ Wenn aber kein Nicht-Sein existiert, kann das Sein auch nicht vergehen, denn zu was sollte es werden.

Danach ergibt sich weiter aus der Aussage „und es war nicht einmal und wird nicht (einmal) sein, da es jetzt zugleich ganz ist, eins und zusammen-hängend“ (DK 28 B 8; Fragment 8), dass das Seiende zeitlos ist. Zusammen-hängend und Eins ist es daher, da kein Nicht-Seiend existiert, welches die Trennung verursachen könnte.

Die Vollkommenheit des Seienden bedeutet für Parmenides ein Fehlen von Mangelhaftigkeit, und daher leitet sich die Gestalt des Seienden auch von der Form der Kugel ab. „ Weil aber nun eine Grenze zuäußerst ist, ist es vollkommen von allen Seiten her, gleich der Masse eines wohlgerundeten Balles.“ (DK 28 B 8; Fragment 8)