Resümee

Aristoteles will im ersten Buch seiner Vorlesung „über die Natur“ die Fehler in den Theorien seiner naturwissenschaftlich-philosophischen Vorgänger aufzeigen. Es bleibt aber lediglich „eine Auseinandersetzung über sie, nicht mit ihnen.“

Eine Konklusion gilt als dann falsch, wenn bewiesen werden kann, dass eine Prämisse des Arguments falsch ist. Diese Beweisführung ist hier aber von Aristoteles teilweise nur ungenügend umgesetzt worden. Besonders fragwürdig ist seine Einführung von Begriffen wie z.B. ein „so-und-so-vieles“ und ein „so-und-so-beschaffenes“ in Bezug auf das eine Seiende des Parmenides. Nur wenn man seiner Auslegung folgt und Begrifflichkeiten aus der Welt der Wahrnehmung hinüber transportiert in Parmenides Welt der Wahrheit ist seiner Argumentation zuzustimmen. In der Form, wie das Lehrgedicht überliefert ist, zeigt es sich, dass Parmenides eine Unterscheidung macht zwischen der Wahrheit und der Meinung. Diese Unterscheidung nimmt Aristoteles aber nicht vor. Ansonsten müsste er nämlich Parmenides zustimmen; denn Parmenides Argumentation über die Wahrheit im ersten Teil des Lehrgedichts ist schwer zu widerlegen. Seine Prämisse, dass das Nicht-Seiende nicht ist, kann man auch als Leugnung von Negationen auffassen. Damit ergeben sich für die Parmenideischen Prämissen im Wahrheitsteil, dass sie immer nur den Wert wahr haben können.

Bei der Auseinandersetzung über Anaxagoras führt Aristoteles ebenfalls Prämissen ein, die von Anaxagoras im Vorfeld ausgeschlossen sind. Hier z.B. bei der endlichen Entmischung. Die Beweisführung, die zeigen könnte, dass Anaxagoras Prämisse über die unendliche Teilung falsch ist, ist nicht damit abgetan, dass man sich die Unendlichkeit eben nicht vorstellen kann und es somit zu einer endlichen Entmischung kommt. Oder anders gesagt, die Konklusion muss falsch werden, wenn Aristoteles einfach den Wahrheitswert einer Prämisse ändert.

Auch bei Empedokles Prämissen über die Anfangsgründe benutzt Aristoteles seine Anschauung um diese zu widerlegen. Dabei ist zweifelhaft, ob den Empedokles es auch so gemeint hat, wie Aristoteles es letztendlich auffasst.